Vor 10 Jahren
Interview mit Spiele-Autor Werner Hodel

Werner Hodel, Jahrgang 1953, ist Oberstudienrat mit den Fächern Mathematik und Physik an einem Gymnasium und lebt im fränkischen Crailsheim.
Die Fragen stellte Jury-Mitglied Stefan Ducksch. (Januar 2007)

Können Sie sich noch erinnern, wie Sie damals die Nachricht erhalten haben, dass MISSISSIPPI QUEEN Spiel des Jahres ist?

Hodel: Das war Stress pur! Ich war zunächst auf einer US-Reise, als ich per Telefon erfahren habe, dass das Spiel auf der Auswahlliste ist. Da hatte ich schon mal eine schlaflose Nacht. Im Juni war ich dann beim Göttinger Spieleautorentreffen. Da habe ich ja auch mehrere Mitglieder der Jury gesehen, zum Beispiel Wieland Herold. Erfahren habe ich da aber nichts. Für mich war eigentlich in dem Jahr LÖWENHERZ vorn. Danach hatte ich noch vier fürchterliche Tage – und dann rief Redakteur Joe Nikisch an und sagte: „Wir haben es, MISSISSIPPI QUEEN!“ Die Preisverleihung in Berlin auf dem Schiff Esplanade war dann ein einmaliges Erlebnis.

Mit dem ersten Spiel gleich ein solcher Erfolg…

Hodel: Ich hatte schon 1994 im Eigenverlag „Edition Malibu“ sechs Spiele veröffentlicht. Da hing mein Herzblut dran. MISSISSIPPI QUEEN hieß erst RAFTING. Meine Tochter war damals neun Jahre alt und konnte bei dem Spiel gut mithalten. Nach dem dritten Platz beim Spieleautorenwettbewerb hatten dann drei Redaktionen Interesse, ich habe das Spiel schließlich Wolfgang Lüdtke von TM gegeben. Da wurde es eineinhalb Jahre lang bearbeitet.

Und deutlich verändert!

Hodel: Ja, aber das war gut so. Das Thema, Kanada und die Flöße im Spiel, das war alles irgendwie zu hart. Dafür war RAFTING variabler. TM hat dann die Passagiere, die man einsammeln musste, eingeführt. Ich war mit dem Ergebnis sehr zufrieden, auch optisch. Es war toll: Eine eigene Schachtel, ein eigenes Spiel mit dem eigenen Namen darauf! Das Geld war zwar schön, aber nicht so wichtig.

Die Spieleszene mochte das Spiel überhaupt nicht.

Hodel: Da war ich zunächst gar nicht deprimiert. Ich mache keine Freakspiele, sondern Familienspiele! Ich hatte auch wenig Kontakt mit Spielefreaks, dafür habe ich von anderer Seite viel Zustimmung bekommen. Familien sind mir wichtiger, weshalb ich das Ziel habe, mit möglichst wenig Regeln und Material zu arbeiten. Ich war dann aber enttäuscht, dass das Spiel relativ schnell abgestürzt und aus dem Programm genommen worden ist.

Was machen Sie heute? Haben Sie neue Spiele?

Hodel: Bis heute ist leider überhaupt nichts passiert. Vielleicht liegt das ja auch an meinem Ruf wegen MISSISSIPPI QUEEN. Ich habe eine Handvoll guter Spiele, die meinen Mitspielern auch Spaß machen. Aber die Verlage haben leider kein Interesse. Aber Spiele sind nicht mehr mein zentraler Lebensinhalt. Ich betreibe das nur noch mit gebremstem Schaum. Dafür gehe ich sehr gerne segeln: Ich habe eine kleine Yacht und bin damit auf dem Mittelmeer oder in der Ostsee unterwegs.