Spieleautorenstipendium 2007 geht an Schweizer Autor Bernhard Kläui

Auf dem 26. Treffen der Spieleautoren in Göttingen hat die Jury Spiel des Jahres am 3.Juni zum elften Mal ein mit 2.500 Euro dotiertes Stipendium vergeben. In diesem Jahr geht es wie schon 2005 an einen Schweizer Autor. Der schon 65jährige Bernhard Kläui war überrascht von der mutigen Entscheidung der Jury.

Nominiert für das Stipendium war in diesem Jahr nicht nur ein Autor aus der Schweiz. Erstmalig bewarb sich mit dem Mathematiker Grzegorz Zysk ein polnischer Autor um das Stipendium der Jury. Er entwickelt seine Spiele zusammen mit seiner zehnjährigen Tochter Marta, die von frühen Kindesbeinen an keinen märchenerzählenden Vater, sondern einen rätsel- und spieleerfindenden Vater hatte. Glückspiele wie BORDER und strategische

(Bild: Juroren sichten die Spiele)

Spiele wie DEKLARATION gehören zu ihren eindrucksvollen Erfindungen. 

Erstmalig trat auch ein Team um den Preis an. Sven Eiselein und Andreas Fraß praktizieren das, was ein immer erfolgreicheres Konzept unter Spieleautoren zu werden scheint, die enge Zusammenarbeit bei der Spielentwicklung. Erfolgreiche Duos wie Kramer und Kiesling haben es vorgemacht, Eiselein und Fraß wollen in ihre Fußstapfen treten. Gemeinsam entwickelten beide 2004 mit TEMPLE LORDS ein vielschichtiges Fantasy-Strategiespiel. Erst vor kurzem entstanden ist der CLUB DER SUPERSCHURKEN, mit dem sie eine breitere Zielgruppe ansprechen wollen. 

Mit in der Konkurrenz war auch Peter Inzenhofer aus München, der sich selbst als „anwendungsorientierten Erlebnissammler“ bezeichnet. Als ein solcher Sammler blickt er in Arbeits- und Alltagssituationen, die ihn spielerisch anregen, aus denen er Entwicklungen schöpft für Spiele mit Lern- und Erlebnisinhalten. Tast-, Hör- und Riechmemos gehören zu solchen Erfindungen, aber auch der Blick in eine toskanische Gartenwelt, die STEIN UM STEIN – so der Titel des Spiels - aufgebaut wird.

Der jüngste Kandidat war Christian Sauer aus Lüdenscheid. Stark geprägt durch den Computerspiel-bereich, versucht er, traditionelles Brettspiel mit den neuen Medien zu verknüpfen. Er erfindet Browserspiele, entfacht aber auch in Risikomanier einen kartengesteuerten WELTENBRAND.

Die Jury mit Jens Peter Schliemann, INNO-SPATZ-Preisträger 2007, Maren Kruse, Stipendiatin des Jahres  2004, Matthias Prinz, Stipendiat des letzten Jahres, und Jochen Corts für „Spiel des Jahres“ war angetan von den guten Spielideen.

Ihre Entscheidung 2007 war besonders schwer, da vielfältige Signalwirkungen möglich waren:

  • Die weitere Öffnung des Stipendiums für ausländische Autoren, diesmal sogar mit einer osteuropäischen Option.
  • Die Betonung der Bedeutung der Teamarbeit beim Erfinden von Spielen.
  • Die Verknüpfung von Spielwelten im Computer mit Brett- und Kartenspielumsetzungen.
  • Die Bedeutung der Spiels und der Spielentwicklung im Alter.

(Bild: Peter Inzenhofer)

Inzwischen hat er sieben Spiele entwickelt. In Göttingen zeigte er das  gut vernetzte landwirtschaftliches Spiel BAGO und das finnisch beeinflusste Spiel SAUNA-SAARI um die Suche und den Bau einer Sauna auf einer von sechs Inseln.

Bei der Entscheidung für Bernhard Kläui gab vor allem die Qualität seiner Spiele den Ausschlag. Die Jury war besonders angetan von dem landwirtschaftlichen Spiel BAGO, das sich als innovativster Entwurf aller nominierten Prototypen erwies.

Vor allem die Aktionswahl in diesem Spiel zeigt eine Vernetzung der Spielenden, die gesellschaftliche Relevanz besitzt. Nötig ist der Blick auf den Mitspieler, eine gewisse Rücksichtsnahme, die durchaus zum eigenen Vorteil wird. Hier kommen menschliche Erfahrungen ins Spiel, die ungewöhnlich für ein Spiel sind. 
Bernhard Kläui, der sich vorzeitig hat pensionieren lassen, um sich voll und ganz dem Spieleerfinden widmen zu können, war überrascht von der mutigen Entscheidung der Jury, ihn den vielen jüngeren Mitbewerbern vorzuziehen. 
Mit dem Preisgeld der Jury Spiel des Jahres wird dem Bernhard Kläui ein vierwöchiges Praktikum finanziert, das er im Laufe der nächsten elf Monate bei dem Spieleverlag Ravensburger absolvieren darf. Außerdem wird er in dem Spieleladen „Spieleburg Göttingen“ die Verbraucher-Perspektive kennen lernen und in den Fundus des Deutschen Spiele-Archivs in Marburg eintauchen dürfen. Erstmalig öffnet Jens Peter Schliemann seine öffentliche Kölner Erfinder Werkstatt dem Praktikanten. Über seine Erfahrungen wird der Stipendiat nach seinem Praktikum auf dieser Homepage berichten.

Dies macht bereits sein Vorgänger Matthias Prinz: Sein Praktikumsbericht ist hier nachzulesen.

Wieland Herold