Spieleautoren-Stipendium 2014/15

Bericht Teil 4: Praktikum bei der Spieleburg Göttingen

Von Janosh Kozák

Am 21. September 2015 startete ich in mein viertes und letztes Praktikum. Diesmal war der Einzelhandel das Ziel, genauer gesagt die Spieleburg in Göttingen.
Die Spieleburg ist eine dieser wenigen verbliebenen Spieleoasen, die nicht nur das Absetzen von Spielen, sondern auch das Anziehen von Spielern im Fokus haben. Betrieben wird das Ganze von Arne Soltendieck seit nunmehr fast 20 Jahren. 

Welche Rolle solch ein Laden (gerade in der Zeit von Amazon und anderen Versandhändlern) in der Spielebranche spielt, sollte ich in der kommenden Woche herausfinden.

Nach meiner Einführung wurde ich an Konstantin, den zweiten Azubi im Laden, abkommandiert. Er führte mich in die grundlegenden Arbeiten im Laden wie den Verkauf und das Einordnen der Ware ein und zeigte mir, wo der Vorrat von leicht überdosierten koffeinhaltigen Getränken in der „Halb-Liter-Ausführung“ zu finden war. Den nach meinem Empfinden etwas übertriebenen Konsum dieser Substanz seitens der Mitarbeiter eignete ich mir schnell an.

Nun konnte es richtig losgehen! Zu diesem Zeitpunkt herrschte im Laden bereits eine gewisse Betriebsamkeit, da es die letzten zwei Wochen vor der Spielemesse in Essen waren. Die meiste Zeit verbrachten wir folglich damit, die Ware anzunehmen, zu katalogisieren, zusammen mit Bestandsware auf Paletten umzuschichten und nochmals auf eine Liste zu setzen. So ungefähr stellte ich mir die Arbeit der vorher bereits erwähnten Versandhändler vor.

Spielestapel
Dass der Einzelhandel aber mehr zu bieten hatte, durfte ich am nächsten Abend erfahren. Dann war nämlich offener Spieleabend in der Spieleburg. Neben den Jugendlichen, die sich nach der Schule die Räumlichkeiten des Ladens aneigneten (zu diesen unwirtschaftlichen, aber geduldeten Gästen haben wir wahrscheinlich alle einmal gehört), strömten Spieler aus allen Generationen nach Ladenschluss in das Geschäft und bevölkerten die Tische. Welchem Spiel wir den Abend gewidmet haben, lasse ich an dieser Stelle aus, um keine Schleichwerbung zu machen.

Spiel des Abends

Auch die darauf folgenden Abende verbrachte ich mit – wer hätte es erwartet – Gesellschaftsspielen, zu denen ich von den Kunden der Spieleburg eingeladen wurde.

Aber ich war ja nicht nur zum Spaß in Göttingen, sondern wollte auch etwas über die letzte Station auf der Reise eines Gesellschaftsspiels lernen, bevor dieses letztlich beim Spieler landet.
Arne erläuterte mir also sowohl seine Rolle als auch die des Versandhändlers und den Unterschied, der letztendlich uns als Endabnehmer betrifft.

Schüler im Laden

Dieser besteht ganz simpel in der Menge der Spiele, die die beiden unterschiedlichen Vertriebsformen im Jahr umsetzen. Beschränkt sich der Einzugsbereich der Spieleburg auf Göttingen und Umgebung, so ist der von Amazon deutschlandweit und darüber hinaus gespannt. Durch die erheblich höhere Menge an Spielen, die dieser Vertriebsweg umsetzt, ist es möglich, günstigere Preise anzubieten, was uns als Kunde letztlich zu Gute kommt.
Meine Frage war also: Wie kann man denn damit konkurrieren? Arne sagte mir, dass man diese Kette noch etwas weiter denken müsse. Dadurch dass einige Verlage durch das Verschwinden des Einzelhandels immer mehr an Großabnehmer und an immer günstigere Preise gebunden werden, sänke auch die Qualität des Produkts. Es gilt also auch hier: Masse oder Klasse? Und die Entscheidung liegt, wie sonst auch, bei uns als Verbraucher.

Die Anzahl der Kunden, die uns täglich in Bewegung hielt, hat mir auf jeden Fall gezeigt , dass der Fachhandel kein Auslaufmodell ist, und ich bin froh, diesen Einblick bekommen zu haben.

Teil 1: Praktikum im Deutschen Spielearchiv Nürnberg
Teil 2: Praktikum im Ravensburger Spieleverlag
Teil 3: Praktikum bei Jens-Peter Schliemann