Spieleautoren-Stipendium 2014/15

Bericht Teil 2: Praktikum beim Ravensburger Spieleverlag

Von Janosh Kozák

Als zweite Praktikumsstation stand in der zweiten Märzwoche 2015 der Ravensburger Spieleverlag auf dem Plan.
Der Stellenwert des Verlages ist allein schon daran zu erkennen, dass die namensgebende Stadt nur auf Platz zwei rangiert, wenn es darum geht, was die Menschen mit dem Namen Ravensburg verbinden.
Über die Bedeutung des Verlages und die Qualitäten, die die Stadt neben ihrer Funktion als Standortfaktor besitzt, durfte ich in einer spannenden Woche vieles lernen.

Am Montagmorgen kam ich in Ravensburg am Bahnhof an und machte mich direkt auf den Weg zum Verlag. Nach kurzer Zeit fand ich mich im doch sehr imposanten Foyer des Verlagsgebäudes wieder, wo ich von Annette empfangen wurde. Sie hatte ich bereits auf dem Autorentreffen in Göttingen kennengelernt.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde in der Redaktion der Abteilung Familienspiele, wo ich den Großteil der Woche verbringen durfte, wurde ich direkt an die Designabteilung weitergeleitet. Ich merkte schnell, dass ein straffer Zeitplan für mich geschrieben worden war, aber ich war ja schließlich nicht zum Spaß hier.

Gemeinsam mit einigen neuen Mitarbeitern und Mitpraktikanten des Verlags wurde ich von Tom Ring, dem Leiter der Abteilung, in die Grundlagen und den Prozess der Spielgestaltung eingeführt. Da ich ja auch selber aus einem ähnlichen Bereich komme, hatte ich mich auf diesen Abschnitt besonders gefreut. Die Realität der Gestaltung, mit welcher man im Studium nicht konfrontiert wird, war sehr aufschlussreich, zum Teil aber auch ernüchternd.

Nach diesem Vormittagsintermezzo wurde ich mit dem inoffiziellen Herz des Verlags bekannt gemacht: Die Kantine sollte mein täglicher Anlaufpunkt werden. Den richtigen Zeitpunkt zu finden, um dort aufzuschlagen, bevor man sich ganz am Ende der Schlange einreihen muss, stellte sich allerdings als ziemlich schwierig heraus.

Am Nachmittag hatte ich dann etwas mehr Zeit, um mich in der Spieleredaktion einzuleben, die unter der Leitung von Philipp Sprick steht. Neben den SmartPLAY-Spielen, für deren Feinschliff in der Redaktion die meiste Arbeit investiert wurde, war es das Testen von Prototypen, das zum täglichen Arbeitsablauf gehörte und mir persönlich am meisten Freude bereitete. Die anschließenden Diskussionen über die Qualitäten der einzelnen Prototypen sowie die Kriterien für eine mögliche Veröffentlichung waren natürlich besonders interessant.


Nach meinem ersten Arbeitstag machte ich mich dann auf den Weg in die Jugendherberge, die für diese Woche meine Unterkunft und Ausgangspunkt für die eine oder andere Stadttour sein sollte. Die Lage der Herberge auf einem der höchsten Punkte in Ravensburg machte meinen Aufenthalt in der Stadt zu einer besonderen Erfahrung.


In den nächsten Tagen lernte ich dann den Arbeitsrhythmus immer besserer kennen und konnte mich produktiv in das Geschehen einbringen. Darüber hinaus standen noch kleinere Ausflüge in die anderen Abteilungen des Verlags an. Ich durfte einen Blick in die Kinderspielabteilung werfen und lernte das audiodigitale Lernsystem tiptoi kennen, von dem ich bis dato noch nie etwas gehört hatte. Eine meiner letzten Stationen war Wolfgang, der mich mit der Firmenphilosophie vertraut machte.

Mein einwöchiger Einblick hat mir die Realität der Spiele-Industrie näher gebracht. Es war schön zu sehen, dass das Spiel nicht nur Produkt ist, sondern von den einzelnen Mitarbeitern des Verlags gelebt wird. Spätestens die gemeinsame Mittagspause, die statt zum Essen zum Tischtennisspiel genutzt wurde, machte mir das noch einmal deutlich.


Teil 1: Praktikum im Deutschen Spielearchiv Nürnberg
Teil 3: Praktikum beim Spieleautor Jens-Peter Schliemann
Teil 4: Praktikum in der Spieleburg Göttingen