Martin Gil-Wünschmann gewinnt Förderpreis

Der 17. Wettbewerb um das von der Jury „Spiel des Jahres“ finanzierte Spieleautoren-Stipendium ist am 2. und 3. Juni 2012 erfolgreich  beendet worden. 
Der Sieger 2012 ist  Martin Gil-Wünschmann aus Hilden. Er genoss eine verspielte Kindheit auf dem Lande, wobei er schon im Grundschulalter bei seinen Freunden gefragter Spieleerfinder war. Damals wuchs der Wunsch in ihm, Spieleautor zu werden. Später war es dann eher das Schachspiel, das ihn faszinierte, Planspiele während des Studiums, leidenschaftliches Theaterspielen – alles Aspekte, die er vorzüglich in seinen  Beruf als Personalentwickler und Trainer einbringen kann.  Erst 2009 fand er über den „Düsterwald“ wieder zurück zum Spielerfinden  und schnupperte in diesem Jahr erstmalig Erfinderluft in Göttingen. Inspiriert klinkt er sich ins Kölner Autoren-Netzwerk  ein und baute Testspielgruppen auf. Sein Ziel: niedrige Einstiegshürden bei großem Spielerlebnis.  Seine kreativen Ansätze belegt er mit den Spielen „Regenbogen“ und „Ballyrinth“. Die Jury fand faszinierend an „Ballyrinth“ die Verknüpfung von physikalischen Mechanismus mit Strategie und Geschicklichkeit. Auch in seiner Idee „Regenbogen“ gelingt dem Autor die Verbindung unterschiedlicher Sinnesbereiche.


Martin Gil-Wünschmann, Stipendiat 2012

Die Jury bestand in diesem Jahr aus der Vorjahresgewinnerin Janet Kneisel, Jens-Peter Schliemann und Máren Kruse als Vertreter der Spiele-Autoren-Zunft SAZ sowie Tom Felber für „Spiel des Jahres“.

Nominiert waren noch vier weitere Autoren:


Exakt 23 Jahre nach Martin Gil-Wünschmann ist Johannes Goslar zur Welt gekommen, 1993 nämlich, beide haben am 24. Januar Geburtstag. Johannes Goslar hat die erfinderischen Gene fast in die Wiege legt bekommen. Großväter, Onkel und Eltern haben ihn ständig mit Spielen konfrontiert. Mit den großväterlichen Schachversuchen konnte er sich zwar nicht so recht anfreunden, aber die Autoren- und Verlegertätigkeit seines Vaters Roland und seines Onkels Tobias ließen ihn Feuer fangen. So interessierte ihn Heinrich Gumplers  Feuer-Ausbreitungsmechanismus in „Feurio“. Erfolgreich war er bald mit „Biodice“ bei einem Schülerwettbewerb, dort greift er die Echtzeit-Aufbauelemente von „Galaxy Trucker“ auf.  Auch beim Programmieren von Spielen kann er auf Erfolge verweisen, so sieht er auch seine berufliche Zukunft in der Verbindung zwischen Brett- und elektronischem Spiel.  Er plant nach bestandenem Abitur ein entsprechendes duales Studium an der FH in Darmstadt.  Mit den schon recht ausgereiften Spielen „Nordmark“ und „Battledice“ bewarb er sich um das Stipendium.


Nicht viel älter als Johannes Goslar ist Aniko Stübner aus Potsdam , die an der dortigen Fachochschule Produktdesign studiert.  Das merkt man ihren Entwicklungen an, die von der haptischen Seite besondere Spielerfahrungen bieten. Stübner möchte sich auf Spiele konzentrieren. Kinder sind ihre Inspirationsquelle und größte Lebensfreude zugleich. Mit ihren Ideen „K(n)opfsache“  und „Strebergarten“  hat sie positive Resonanz in Kindereinrichtungen in Berlin und Potsdam hervorgerufen.  Sie hat viele lachende Kinder erlebt, vielleicht auch deshalb, weil sie selbst ihre Spiele noch mit Kinderaugen betrachten kann.


Aus dem Mittelfränkischen kommt Wolfgang Vogel. Er ist Werkzeugmechaniker , wobei er sich dort im Mikrometerbereich bewegt. Dass er ein gutes Händchen hat, beweisen  seine dreidimensionalen Prototypen. Brettspiele entwickelt er schon seit zehn Jahren, darunter so tolle Ideen wie das verrückte „Treppenlabyrinth“ und das Legospiel „Turn the Brick“. Er sei der „Mozart“ unter den Kandidaten, der Visionär, meinten die Juroren. Seine Freundin bezeichnet er als seine Muse. Sie muss ihn oft geküsst haben.


Sechs Jahre länger schon erfindet der hessische Richter Martin Wallocha Brettspiele. Sein erstes, das er als Sechsundzwanzigjähriger erfand, war noch ein aufwendiges Laufspiel. Inzwischen sind seine Ideen kompakter umgesetzt, orientieren sich eher an den Bedürfnissen von Kindern und können als Lernspiele bezeichnet werden. Seit drei Jahren besucht er das Autorentreffen in Göttingen, hat Seminare bei Christwart Conrad besucht und hat ein intensives Testumfeld für seine Ideen aufgebaut. Er setzt auf leichte Zugänglichkeit zu seinen Spielen, möchte Kommunikationshürden abbauen. Deshalb bewarb er sich auch mit einem Kommunikationsspiel   für Kinder ab sechs Jahren, das den Arbeitstitel „Wer? Was? Wo?“ hat. Mit dabei war noch sein abstrakteres Matheübungsspiel „Summa Summarum“.

Der Praxis-Teil des Stipendiums besteht 2012 / 2013 aus drei ganzwöchigen und zwei halbwöchigen Etappen. Praktikumsstationen für eine ganze Woche sind zwei Spieleverlage. Ein weiteres Praktikum wird Martin Gil-Wünschmann im SpieleErfinderStudio von Jens-Peter Schliemann in Köln absolvieren. Hinzu kommen eine halbe Woche im Göttinger Spielwarenfachgeschäft Spieleburg sowie die Teilnahme an der 8. Deutschen Spieleautorentagung im hessischen Weilburg im März 2013.

Wie alle bisherigen Stipendiaten wird auch Martin Gil-Wünschmann seine Erfahrungen und Erlebnisse ausführlich dokumentieren.
Die Berichte der 2011er Stipendiatin Janet Kneisel finden Sie hier:

Bericht 1: SpieleErfinderStudio 
Bericht 2: Verlag Schmidt Spiele
Bericht 3: Fachgeschäft Spieleburg 
Bericht 4: Verlag Ravensburger 
Bericht 5: Spieleautorentagung Weilburg