Mississippi Queen

Voller Tücken war die Schiffahrt auf dem Mississippi: Schwimmende Inseln, wechselnde Untiefen und immer neue Seitenarme forderten Kapitäne und Lotsen der berühmten Steamboats bei jeder Fahrt aufs Neue heraus. Mark Twain hat diese Welt, die er aus eigener Erfahrung als Lotse kannte, in der Erzählung „Alte Zeiten auf dem Mississippi“ in seiner unvergleichlichen Art beschrieben. Schwimmende Paläste waren die Dampfer in seinen Augen. In erster Linie aber waren sie die „Arbeitstiere“, denen Amerika im vergangenen Jahrhundert seinen ersten wirtschaftlichen Aufschwung verdankte.

MISSISSIPPI QUEEN lädt Spielerinnen und Spieler ein, in diese abenteuerliche Welt einzutauchen und in der Rolle eines Kapitäns an einem Wettrennen von drei bis fünf Raddampfern teilzunehmen. Am Schluss hat der die Nase vorn, der sämtliche Schwierigkeiten am besten meistern konnte. Die erste besteht darin, dass der Lauf des Mississippi – wie in der damaligen Wirklichkeit – nicht von vornherein bekannt ist, sondern sich erst nach und nach auf dem Tisch entwickelt. Dabei bestimmt ein Würfel die Richtung, in der die insgesamt zwölf Flussteile angesetzt werden. Kapitäne und Lotsen müssen also immer mit Überraschungen rechnen. „Der Mensch denkt, der Fluß lenkt“, heißt es dazu sinnigerweise auf der Verpackung.

Die Illustrationen von Franz Vohwinkel zaubern eine einladende Stromlandschaft auf den Spieltisch. Fünf kleine Raddampfer und 16 Frauenfigürchen, die später als Passagiere mitgenommen werden müssen, bilden zusammen mit den Flussteilen das Spielmaterial. Dem Thema angepasst sind auch die Zähler, die Auskunft über Kohlevorrat und Geschwindigkeit geben: Sie werden an den einzelnen Dampfern mit einstellbaren Schaufelrädern markiert. Alle Raddampfer starten mit Geschwindigkeit eins und sechs Kohlen im Vorrat. Vor jedem Zug kann man seine Geschwindigkeit um einen Punkt bis maximal sechs steigern oder aber um einen Punkt herabsetzen. Während einer Bewegung ist auch eine Drehung um 60 Grad möglich. Alles Weitere kostet Kohle. Aber aufgepasst: Wenn der Vorrat aufgebraucht ist, scheidet das betreffende Steamboat aus.

Weil hektische Manöver erstens oft in Sackgassen enden und zweitens den Kohlevorrat bedenklich rasch aufbrauchen, zeichnet vorausschauende Navigation den Meister aus. Gefragt ist diese Kunst beim Umfahren von Hindernissen, beim Verhindern von Kollisionen oder beim Heranfahren an die Inseln, wo die Passagiere warten. Deren zwei müssen von jedem Schiff ins Ziel gebracht werden. Das Regelheft ist zwar groß und umfangreich. Trotzdem dauert es gar nicht lange, bis man Losspielen kann. Das liegt daran, dass der Hersteller den Spielablauf mit großflächigen, bunten Illustrationen erläutert. Das verbraucht natürlich Platz. Doch wird man dadurch entschädigt, dass die Regel schnell zu verstehen und einleuchtend ist.

Ein wenig bastlerisches Geschick ist schon gefragt. Denn bevor die erste Partie beginnen kann, müssen noch alle „Schaufelräder“ mit Zahlenstreifen beklebt werden. Das ist etwas fummelig. Was aber nichts daran ändert, dass sich MISSISSIPPI QUEEN durch eine schöne Ausstattung auszeichnet. Dazu passt die stimmige spielerische Umsetzung eines nostalgischen Themas, das sich für solche Zwecke geradezu aufdrängt. Die gelungene Mischung von Glück und taktischer Herausforderung macht das Spiel des Jahres 1997 zu einem echten Familienspiel, bei dem Groß und Klein lange ihren Spaß haben.

1997

Autor

Werner Hodel

Verlag

Goldsieber Spiele

Spieleranzahl

3
 bis 
5

Altersempfehlung

ab 
10
 Jahren

Dauer

ca. 
35
 Minuten

Ergänzende Informationen

Unseren Rückblick auf zehn Jahre Mississippi Queen finden Sie hier: Teil 1 (Bericht), Teil 2 (Interview mit dem Autor Werner Hodel).