Jetzt spiele ich alleine!

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Montag, 27. Februar 2017

Jetzt spiele ich alleine! - Macht ein Spiel auch solo Spaß?

Achillessehnenriss! Da lag ich nun mit hoch gelagertem Fuß auf dem Sofa. Mal drei oder auch vier Tage auf dem Sofa relaxen und nur Lesen und Fernsehen können, das mag ja ganz toll sein - aber gleich mehrere Wochen? Deshalb überlegte ich mir, dass ich mir nach der OP die Vormittage damit vertreiben wollte, die Solovarianten meiner Spiele auszuprobieren. Bisher hatte ich diese eher belächelt, denn zum Spielen gehört für mich unbedingt das Miteinander und die Kommunikation. "Spiele ab 1 Mitspieler" war daher für mich bislang eher ein Indikator dafür, dass man dieses Spiel bestimmt gut zu zweit spielen könnte. Aber allein?

Online konnte ich mir auflisten lassen, welche meiner Spiele auch solo funktionieren sollten – eine Übersicht der von mir ausgewählten Spiele ist am Ende des Artikels zu finden.
Ausgeschlossen hatte ich Kinderspiele – da ich alleine nicht die Zielgruppe bin. Auch viele kooperative Spiele wurden mir genannt; aber gerade diese Spiele, die auf Kommunikation und Zusammenarbeit beruhen, strich ich ebenfalls von meiner Liste. Bei dem Spiel "Space Alert" riet sogar die Spielregel davon ab, es alleine zu spielen – trotz existierender Solovariante! Dennoch blieben über 30 Spiele auf meiner Liste – ich war neugierig, wie viele ich nach der OP schaffen würde.

  

Ins Krankenhaus nahm ich mir drei kleine Spiele mit – was bietet sich da besser zur Ablenkung an als ein Spiel? Hier kamen die drei auch oft auf mein kleines Tablett-Tischchen - sowohl alleine als auch mit meinen Besuchern. Die Blicke der Schwestern, die vorbeigingen, sagten mir, dass diese „Tische“ nicht oft zum Spielen benutzt wurden.

Als ich schließlich wieder daheim war und mich in meine Situation eingelebt hatte, nahm ich mir die Spiele der Liste vor. Folgende Dinge haben mich besonders interessiert: Was ändert sich? Wie gewinnt man? Was muss man beachten?

Grob kann ich sagen, dass sich die Regeln mal mehr und mal weniger verändern.
Es gibt sogar Spiele, die so konzipiert sind, dass der Aufbau sich nach der Spieleranzahl richtet und alles andere gleich bleibt. Andere Spiele hingegen sind laut Schachtelangabe ab 1 Spieler, aber in der Spielregel sucht man vergebens nach einem Passus, was sich beim Solospiel ändert. Manche Spiele bieten für die Solovariante eine Punktetabelle, aus der man dann ersehen kann, wie gut man gespielt hat oder einen wertenden Kommentar. Wieder andere Solovarianten setzen ein zu erreichendes Ergebnis fest, wann ein Spiel gewonnen ist oder führen sogar an, ab wie vielen Punkten man man besonders gut gespielt hat bzw. wann man ein außergewöhnliches Ergebnis erzielt hat. Eine ebenfalls sehr häufige Möglichkeit, ist der Vorschlag möglichst viele Punkte zu erringen bzw. seine Punkte zu notieren und sich bei der nächsten Partie zu übertreffen – oft ebenfalls mit der Erwähnung, ab wann man außergewöhnlich gut gespielt hat. In wiederum anderen Spielen muss man einen fiktiven Gegenspieler oder auch Mitspieler in Kauf nehmen. Bei den anfangs schon erwähnten kooperativen Spielen bleibt natürlich das Spielziel gleich - gegen das Spiel zu gewinnen.

Mir persönlich haben besonders die Spiele gefallen, die eine Punktetabelle verwenden und die den Aufbau an die Spieleranzahl anpasst haben. Allgemein spielten sich Spiele, die auch in größerer Spieleranzahl gleichzeitig gespielt werden können, auch alleine gut, da man gewohnt ist, die ganze Zeit mitzuspielen. Spiele, die ansonsten sehr interaktiv sind, wurden mir in der Solovariante oft zu stark verfremdet. Entgegen meiner anfänglichen Ablehnung habe ich dann doch zwei kooperative Spiele alleine gespielt: "The Game Extreme", das den Vorteil des wenigen Platzes hatte und mir in der Solovariante einfacher vorkam. Solo habe ich deutlich mehr gewonnen als in voller Besetzung.

Das andere gespielte kooperative Spiel war "Pandemie Im Labor", das ich gewählt habe, da die Pandemie-Reihe zu meinen Lieblingsspielen gehört. Obwohl man im Spiel gut von der Gesundheitsbehörde unterstützt wurde, fühlte ich mich allein gelassen und verlor ohne das Bedürfnis eines weiteren Spielversuchs - und das trotz meiner zufällig gezogenen Lieblingsrolle, dem Sanitäter.

Zu meinem Erstaunen habe ich auch Solovarianten in Spielen gefunden, bei denen es nicht auf der Schachtel angegeben war. Daher lohnt sich immer ein Blick in die Spielanleitung, denn ich habe beim Spielen viele Überraschungen erlebt - teilweise wurde ein Spiel durch die Solovariante komplett verändert und dadurch interessant. So wurde beispielsweise aus dem hektischen "Pick-a-Dog" ein taktisches Kartennehmspiel. Umgekehrt wurden mir bei meiner Recherche sogar Spiele vorgeschlagen, in denen ich keinerlei Solomöglichkeiten fand – vielleicht gibt es neuere Auflagen, die diese dann bieten.

Erwähnenswert ist auch mein einziges Spiel - von Knobelspielen wie "Rush Hour" und Co. abgesehen - das für nur einen Mitspieler konzipiert ist: "Freitag". Dieses Spiel ist für mich besonders herausfordernd, da ich es trotz vieler Versuche nur äußerst selten gewinne: Ein interessantes, komplexes Spiel mit vielen taktischen Möglichkeiten in einer sehr kleinen Schachtel.

Auch wenn ich bei Wahlmöglichkeit immer das Spielen mit Freunden vorziehen würde, habe ich in „alleinigen“ Zeiten viele schöne Stunden mit Solovarianten verbracht und werde das eine oder andere Spiel bestimmt auch in Zukunft für eine Partie alleine aus dem Regal holen. Da die Geschmäcker zum Glück so verschieden sind, muss jeder für sich selbst herausfinden, welches Spiel ihm auch solo liegt - das kurze, flotte Kleine oder doch lieber das stundenlange Große – für mich war für jede Stimmung das richtige Spiel dabei!

 

Übersicht der von mir ausgesuchten Spiele:

Kooperativ: Castle Panic, Die Rückkehr der Helden, Escape, die Exit-Reihe, Ghost Stories, Lembitu, Space Alert, The Game Extreme, Zombicide

Aufbau abhängig von Spieleranzahl: Le Havre, Walnut Grove

Ohne Regelpassus: Avenue, Escape, Die Kolonisten, Dungeon Fighter, DuCo, Side Quest

Punktetabelle: Buccaneer Bones, A fistful of Penguins, Kreuz & Quer, Imperial Settlers, Noch mal!, Suburbia

Ziel erreichen und Auszeichnung erhalten: Bohn to be wild, Bits, Die Hexen, Fits, Mondo, Mosaix, Walnut Grove

High Score und Auszeichnung erhalten: Agricola, Cottage Garden, Die Glasstraße, Don Quixote, Extra, flowerpower, Im Wandel der Zeiten- Das Würfelspiel Bronzezeit & Eisenzeit, Das Labyrinth des Pharao, Take it easy, Topas, Träxx, Vor den Toren von Loyang, Würfelbingo

Fiktiver Gegen- oder Mitspieler: Between two Cities, Burgen von Burgund – das Kartenspiel, No Siesta! - Das Würfelspiel, Nations- Das Würfelspiel, Ora et Labora, Pandemie Im Labor