Dr. Bernward Thole zum 80. Geburtstag

Bernward, der Doyen unter den Spielekritikern
Bernward, der Mitbegründer von „Spiel des Jahres“
Bernward, der Vater des Deutschen Spielearchivs
Bernward der Gründer des Fachdienstes „Spiel“
Bernward, der Gründer der Spielebrücke
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Die Liste ließe sich problemlos um einige weitere Punkte verlängern, doch ich mag Würdigungen nicht, die sich in der Aufzählung von Leistungen und Verdiensten erschöpfen. Ich finde es spannender, nach dem zu suchen, was sich hinter diesen Leistungen verbirgt, nach dem berühmten roten Faden, der erkennen lässt, dass sich selbst ein so vielfältiges und so langes Leben wie jenes von Bernward Thole, der heute, am 2. November, in Marburg seinen 80. Geburtstag feiern kann, daran orientiert..

Bernward Thole hat uns die Suche nach diesem Leitfaden erleichtert, indem er immer wieder über seine Motivation, seine Beweggründe, sich in einem derart hohen Maße für das Spiel zu engagieren, geschrieben und gesprochen hat. Die Motivation zeigte sich bereits bei seinem selbstbewussten Einstieg in die Welt des Spiels. Als er nämlich feststellte, dass in der Wochenzeitung „Die Zeit“ die regelmäßigen Spielkolumnen von Eugen Oker fehlten, schrieb er gleich selbst eine Rezension und schickte sie nach Hamburg. Sie wurde abgedruckt, es folgten weitere, und schon stand Bernward Thole in den Fußstapfen des damaligen Doyens der deutschen Spielekritik.

Kritiker hatte Bernward schon immer werden wollen, nur dass er sich fortan nicht mit dem Spiel auf der Bühne des Theaters auseinandersetzte, sondern mit dem Brett- und Gesellschaftsspiel. Ich glaube nicht, dass es Zufall war, der diesen Wechsel bewirkte, sondern vielmehr die Erkenntnis, dass das gemeinsame Spielen am Tisch letztlich mehr bedeutete als das gemeinsame Zuschauen im Theatersaal: Bernward Thole wollte Akteure, nicht Zuschauende, er wollte, dass Menschen gemeinsam etwas unternehmen, etwas, das sie über die vordergründige Aktivität miteinander verband, und zwar über alle im Alltag geltenden Grenzen hinweg – Geschlecht, Alter, soziale Schicht, Herkunft.

Dafür war das Spiel das ideale Medium. Es hatte und hat allerdings in einem durchgängig ökonomisierten und verzweckten Umfeld einen schweren Stand. Seine Schätze, Schönheiten und Potenziale müssen immer wieder von neuem erschlossen werden. Darin erkannte der Pädagoge Thole seine Lebensaufgabe. Allerdings tat er dies nicht mit dem Zeigefinger, sondern schrieb als Rezensent über Emotionen, Spaß und Erlebnisse, möglich gemacht durch gemeinsames Spielen. Thole wollte die Menschen zum Spielen verführen und holte sie überall, wo er wirkte, an den Spieltisch. So führte auch das Deutsche Spielearchiv – eine Institution mit wissenschaftlichem Anspruch – regelmäßig Spielveranstaltungen durch. Es wollte ein Ort der Vermittlung sein, nicht für Freaks oder sonstige exklusive Spieler, sondern für alle. Auch hier suchte Bernward Thole das Verbindende im Spiel.

Dass die Preisverleihungen von „Spiel des Jahres“ in den Anfangsjahren verglichen mit heute eher glanzlos-bescheiden über die Bühne gingen, hängt nicht so sehr mit den damals fehlenden finanziellen Mitteln zusammen. Die Einbettung in einen Spieleabend für Familien entsprach vielmehr den Vorstellungen des Jury-Mitbegründers Thole, der mit dieser Form auch gleich jene zentrale Botschaft von „Spiel des Jahres“ umsetzen wollte, die seine ganz persönliche war – Menschen für das Kulturgut Spiel begeistern und sie gleichzeitig im Spiel zusammenbringen und verbinden.

In diesem Sinn hat sich Bernward Thole seit Mitte der 1970er Jahre unermüdlich für die Sache des Spiels engagiert. Dass das Spiel heute in der Gesellschaft einen wesentlich höheren Stellenwert einnimmt als vor dreißig oder vierzig Jahren, geht nicht zuletzt auf dieses Engagement zurück. Dafür verdient er unseren größten Dank.

„Spiel des Jahres“ gratuliert seinem Ehrenmitglied Bernward Thole herzlich zu seinem 80. Geburtstag und wünscht ihm alles Gute, vor allem noch viele spannende Runden mit Menschen, mit denen er sich im Spiel verbunden fühlt.

Synes Ernst
Ostermundigen, 2. November 2016