Acht plus eins - wie die Jury

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Dienstag, 23. August 2016

Wie Spiel des Jahres Ganztagsschulen unterstützt. Ein Erfahrungsbericht.

Seit vielen Jahren fördert der Verein „Spiel des Jahres“ Projekte, um das Kulturgut Spiel in Familie und Gesellschaft zu stärken. In der Anfangszeit beschränkte sich die Unterstützung auf die Arbeit des Deutschen Spielearchivs in Marburg. In den 90er Jahren ist das äußerst erfolgreiche Stipendium für Nachwuchsautoren hinzugekommen, ergänzt durch die Unterstützung der Arbeit des Hippodice-Spieleclubs mit seinem Wettbewerb für Spieleautoren.

Imhotep
Seit nunmehr fünf Jahren gibt es eine breite Förderung unterschiedlicher Projekte, dokumentiert auf der Website von Spiel des Jahres. Diese Förderung hat inzwischen ein Gesamtvolumen von über 220.000 Euro erreicht. Seit diesem Jahr gibt es Förderschwerpunkte. Die Jury unterstützt 2016 besonders die Arbeit von Ganztagsschulen.

Offene und gebundene Ganztagsschulen gehören inzwischen zum Regelangebot der meisten Bundesländer. Erziehungsberechtigte werden entlastet, das gilt vor allem für Alleinerziehende, was zu einer deutlich verbesserten Vereinbarkeit von Familie und Beruf führt. Zum Ganztagsangebot gehören Zusatzangebote, die auch die Freizeitgestaltung betreffen. Allerdings klagen viele Schulen, dass die finanzielle Unterstützung durch die Kultusministerien nicht ausreiche.

Karuba
Deshalb sind Schulen, die eine Spieliothek aufbauen wollen oder eine Spiele-AG als regelmäßiges Angebot planen, im Rahmen des Förderprogramms von uns unterstützt worden. 65 Anträge gingen ein, 46 davon konnten bewilligt werden. 90 Prozent unserer Fördersumme konnten wir entsprechend des Förderschwerpunkts an schulische Einrichtungen verteilen.

Was das konkret vor Ort bedeutet, habe ich bei zwei Besuchen an einem Oldenburger Gymnasium miterleben dürfen. Das Gymnasium Eversten hat bereits 1997 den Ganztagsbetrieb mit Mittagsverpflegung und zusätzlichen Angeboten aufgenommen. Schon damals wurden Spiele angeschafft, die für die Pausenausleihe zur Verfügung standen. Die Sammlung war rudimentär und wurde selten ergänzt. Das änderte sich, als Dirk Sundermeyer an die Schule kam.

Der Referendar für Mathematik und Sport ist begeisterter Spieler und es gelingt ihm vorzüglich, diese Begeisterung an seine Schülerinnen und Schüler weiterzugeben. Seine Ideen trafen auch beim Ganztagskoordinator der Schule auf offene Ohren. Sundermeyer durfte eine Spiele-AG anbieten und bekam auch grünes Licht für den Neuaufbau einer Spieliothek. Dabei war ihm dann die Unterstützung durch Spiel des Jahres eine wichtige Hilfe.

Splendor
Bei den Schülerinnen und Schülern kommt dieses neue Angebot gut an. „Wir haben eine Zusammensetzung wie die Jury, acht Jungen, ein Mädchen.“ So locker kommentiert Merit ihre Sonderstellung in der Spiele AG. Eines verbindet aber alle: Sie lieben Brett- und Kartenspiele, sind größtenteils durch ihre Elternhäuser spielerisch sozialisiert. Bei Finn ist es sogar die Oma, die „eine riesige Sammlung von Spielen“ zu Hause hat, aus der er immer mal wieder welche für die AG entleihen darf. Vor kurzem brachte er seinen Mitschülern TAKE IT EASY bei.

Trotz der Spielmöglichkeiten zu Hause genießen sie alle das schulische Angebot ihres Lehrers Sundermeyer. „Hier kann ich Spiele mit vielen spielen und nicht nur mit meinem Vater!“ Toms Lieblingsspiel ist CODENAMES, das er sich bereits Anfang Juni 2016 als ein ideales „Spiel des Jahres“ vorstellen konnte.

Die Begeisterung aller ist sichtbar groß, angefacht durch das hohe Engagement des Lehrers. Sundermeyer sieht sich wie viele seiner Generation durch die CATAN-Welt sozialisiert. Er ist in mehreren privaten Spielrunden aktiv und möchte die Freude, die er mit Spielen hat, an seine Schüler und in der Schule insgesamt weitergeben. In der Zeitschrift spielbox las er im Herbst 2015 von der Fördermöglichkeit durch Spiel des Jahres und sah sofort die Chance, den eher kargen Spielebestand seiner Schule zu erweitern und vor allem zu aktualisieren sowie mit dem Aufbau einer Spiele-AG seine Leidenschaft in die Schule zu bringen.

Codenames
Die allgemein positive Resonanz auf die Spiele, auch als erweitertes Pausenangebot, sorgt für Kontinuität. Die Schulleitung unterstützt das Spielen nun auch finanziell, Sundermeyer bietet die AG weiter an. Sollte er nach seinem Zweiten Staatsexamen die Schule verlassen müssen, will er sich vorher noch um einen Nachfolger kümmern.

Das Gymnasium Eversten in Oldenburg ist ein Beispiel von vielen. Die Unterstützung durch Spiel des Jahres hat das Angebot von über 40 weiteren Grundschulen, Integrierten Gesamtschulen und Gymnasien attraktiver gemacht und vielfach auch den Unterrichtsalttag belebt.
Im kommenden Jahr will Spiel des Jahres Projekte fördern, die spielerisch zur Integration von Flüchtlingen beitragen. Anträge dürfen bis zum 30. November eingereicht werden.