Bericht über das Spieleautoren-Stipendium 2001

Von Wolfgang Dirscherl

Deutsches Spiele-Archiv Marburg

Mit reichlich Informationen über das Deutsche Spiele-Archiv ausgerüstet, startete ich am Montag, 24.08.2001, in Richtung Marburg. Auf meine erste Station im Rahmen des Spiele-Autoren-Stipendiums war ich ziemlich gespannt.
Nach Ankunft und Begrüßung in den Räumen des Spiele-Archivs habe ich einen ersten Blick auf die tatsächliche Größe des Spiele-Archivs werfen können. Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht – es ist wirklich ziemlich groooooß. Da erscheint mir meine eigene, kleine Spielesamm-lung in einem anderen Licht (jetzt habe ich aber zumindest eine gute Argumentationsgrundlage für eine zukünftige Aufstockung meines Spiele-bestandes).
So, jetzt habe ich mich aber in die Arbeit gestürzt. Einen ersten großen Schwerpunkt legte ich auf die reichhaltige Fachbibliothek. Artikel über die Entwicklung, Entstehung und Herstellung von Brettspielen bzw. über bereits am Spielemarkt erfolgreiche Spieleautoren standen am ersten Tag auf dem Programm.

Von Dienstag bis Freitag habe ich mich ausgiebig dem "gesamten" Spielebestand des Spielearchivs gewidmet. Durch die gute Klassifikation des Spielebestandes lässt sich ein gezieltes Suchen in jeder Kategorie erfolgreich gestalten. So konnte ich auf Spiele ein Auge werfen, die ich bisher noch nicht einmal vom Namen her kannte.
Ein weiteres Highlight folgte bereits am Dienstagabend - der Spielabend des Spiele-Archivs. Hier konnte ich endlich einmal wieder aktiv ein schönes Spiel spielen. Auch einen meiner eigenen Prototypen haben wir am Ende des Abends noch ausprobiert.
Die gesamten erhaltenen Eindrücke dieser Woche sind überwältigend. Ich möchte mich nochmals herzlich bei allen Personen und Organisationen bedanken, die mir diesen Aufenthalt bzw. die nächsten Praktika des Spiele-Autoren-Stipendiums ermöglichen. VIELEN DANK !!!

(Bild: Stipendiat Wolfgang Dirscherl mit seiner Urkunde 2001 in Göttingen)

Ravensburger
Von Montag, 19.11.2001, bis Freitag, 23.11.2001, war meine zweite Station im Rahmen des Spiele-Autoren-Stipendiums die Spieleredaktion der Ravensburger AG. Voller Tatendrang kam ich am Montag am Ravensburger Bahnhof an, wo mich bereits die Redakteurin Gesellschafts-spiele Cornelia Rist erwartete.
Endlich in den Räumen der Ravensburger Spieleredaktion angekommen, konnte ich mir einen ersten Überblick über den Betriebsablauf verschaffen. Nachdem ich alle Mitarbeiter der Abteilung "Spiele ab acht Jahre" kennengelernt hatte, wurde mir von Cornelia Rist und Frank Weiß (Redakteur Gesellschaftsspiele) ein Terminplan für die kommende Woche überreicht.
Der Dienstag begann mit einem Termin um 9:00 Uhr. Das Jour Fixe der Abteilung stand auf dem Programm. Anschließend konnte ich meine Fragen in der Abteilung Produkt-Design stellen und einer Mitarbeiterin der Abteilung ein wenig während der Arbeit über die Schultern schauen.
Bei der Redaktion "Creation“ begann der Mittwoch. Der Blick über den Tellerrand der Spiele in Gebiete wie "Malen nach Zahlen", "Mandala", "Papiermaché" usw. war sehr interessant. Auch über Lizenzprodukte von Ravensburger und das weite Gebiet der Puzzle konnte ich mich informieren. Weiter ging es mit dem Thema Marketing. Als BWL-Student ist mir dieses Themengebiet natürlich auch nicht fremd. Aufgelockert wurde das Gespräch mit den alten und den aktuellen Werbespots von Ravensburger.
Die Produktentwicklung war eine weitere Anlaufstelle für mich. Hier habe ich neben vielen bisher noch nicht gekannten Problemen der Spieleproduzenten auch ein "kleines Säckchen" mit nicht mehr benötigten Spielmaterialen erhalten (nochmals Danke ...).
Das Labor des Qualitätswesens und die Abteilung Nationaler Vertrieb waren neben der Betriebsführung am Donnerstag weitere Highlights. Natürlich habe ich auch ein wenig mit den Redakteuren von Ravensburger gespielt. Aber auch ohne Spielen wäre diese Woche unvergesslich geblieben.
Am Freitag hatte ich abschließend mit Herrn Blüher aus der Redaktion International ein interessantes Gespräch. Es ist schon erstaunlich, in wie vielen Ländern Ravensburger mit seinen Produkten vertreten ist. Doch leider geht an diesem Freitag die Story "Praktikumsaufenthalt in Ravensburg" zu Ende und die Heimreise begann.
Ohne Spiele (bzw. Puzzles) konnte ich natürlich aus Ravensburg nicht abreisen. Deswegen habe ich beim Remi-Verkauf von Ravensburger (eigentlich nur für Mitarbeiter)  noch ein paar Schnäppchen gemacht. Am Ende wurde es ein großer Karton.
Herzlichen Dank an alle Mitarbeiter von Ravensburger, die mir in dieser Woche Antworten auf meine zahlreichen Fragen gegeben haben.

Spieleburg Lübeck
In der Woche von Montag, 10.12.2001, bis Freitag, 14.12.2001, fand meine weiteste Reise im Rahmen des Spiele-Autoren-Stipendiums statt. Von Bayern verschlug es mich in den hohen Norden nach Lübeck.
Nach einer langen Zugreise traf ich Montag Mittag in Lübeck ein. Die Spieleburg Lübeck, meine Heimat für die nächsten vier Tage, ist ein kleiner und sehr interessanter Spieleladen im Herzen Lübecks. Ich konnte bereits beim Eintreffen im Spieleladen den Trubel der Vorweihnachtszeit erahnen. Trotzdem hatten Florian und Alexander Herold (die Besitzer der Spieleburg) zwischendurch immer wieder Zeit für Ihren neuen Praktikanten. So konnte ich mir am Montag einen ersten Überblick über den alltäglichen Ablauf eines Spieleladens machen. Nach Geschäftsschluss ging es noch in ein benachbartes Cafe, in dem die von der Spieleburg organisierte Veranstaltung "Brot und Spiele" stattfand. Bei dieser Aktion konnten die Cafe-besucher kostenlos Spiele der Spieleburg ausprobieren.

(Bild: Wolfgang Dirscherl arbeitet heute als Spiele-Redakteur beim Haba-Verlag.)

Ab Dienstag wurde ich auf die Kunden der Spieleburg "losgelassen". Hierbei wurde mir erst bewusst, wie viele Spiele ein guter Verkäufer kennen und erklären können muss, um die Wünsche des Kunden zu befriedigen. Doch der Erfolg der Spieleburg und die zufriedenen Kundengesichter zeigen, dass individuelle Kundenberatung im Bereich der Spiele durchaus möglich ist.
Den Bereich der Fantasy- und Rollenspiele habe ich in dieser Woche auch ein wenig unter die Lupe nehmen können. Eine eigene Welt, die mit zahlreichen Produkten (Zinnfiguren, Literatur, ...) ebenfalls ein hohes Maß an Fachwissen erfordert, um immer auf dem Laufenden zu sein. Meine Vorliebe wird aber weiterhin bei den Brett- und Kartenspielen angesiedelt sein.
Am Mittwoch nach Geschäftsschluss fand noch der Spieleabend der Lübecker Spieleburg statt. Eine Gruppe von zirka acht eingeschworenen Spielern trifft sich einmal die Woche, um die Neuheiten der Verlage zu testen. Aber auch die Lieblingsspiele der Spieler kommen an diesem Abend auf den Tisch. So kam es am späten Abend zu einer Runde Tichu ... !!!
Neben den schönen Stunden im Spieleladen und dem direkten Kontakt mit spielfreudigen Kunden blieb noch etwas Zeit, um den Norden Deutschlands ein wenig zu erkunden. Ein Ausflug an die Ostsee und die Sehenswürdigkeiten von Lübeck standen hierbei auf dem Programm.
Am Freitag trat ich wieder die lange Heimreise an. Ein kurzer Aufenthalt in der Hansestadt Hamburg mit Stadtbummel rundete hierbei meine Woche ab. Doch ich bin mir sicher – Lübeck und dem hohen Norden werde ich in absehbarer Zeit nochmals einen Besuch abstatten.Vielen Dank an Florian, Alexander, Hanno und alle weiteren "Lübecker", die mich in dieser Woche betreut und unterstützt haben. Ich wünsche euch weiterhin viel Spaß und Erfolg mit euerem Konzept.